“So haben wir es erlebt"
Schon im Jahre 2006, bei ihren ersten Besuch bei den “Barmherzigen Schwestern” in ihrer Paderborner Zentrale , übergab Regina Page den Nonnen nachstehenden Text, der in Stichworten ihren Heimaufenthalt Anfang der 60er Jahre beschreibt, mit der Bitte um Erfüllung der genannten Forderungen.
Arbeit in der Firma Vincenzheim (Gewerbebetrieb)Tägliche Arbeit:in der Wäscherei, an der Mangel , bügeln am Bügelbrett,Anfertigung von Wäsche z.B. Nachthemden, Schürzen, Oberhemden, Bettwäsche.Für den Verkauf ausserhalb des Hauses.Reinigungsarbeiten in der Gruppe getätigt.Gearbeitet wurde in der Milchküche,in der Kinderabteilung, Kleinkinder u.- Babypflege.In der Küche, Vorbereitungsarbeiten von Speisen, Gemüse u. Kartoffeln schälen und Putzarbeiten und Pflegearbeiten im ganzen Haus ,wochenlang wurden in der Aufnahmestation täglich viele Taschentücher umhäkelt und zum Verkauf angeboten .Arbeitszeit täglich 8-10 Stunden. Diese Arbeiten wurden nicht entlohnt , diese Arbeiten waren Versicherungspflichtig.Nur bei den Auszubildenden wurde die Versicherungspflicht vorgenommen. Anmeldungen bei der IHK und AOK fehlen. Nach der Ausbildung als Hemdenwäschenäherin oder Hauswirtschafterin wurden die jungen Frauen nicht in ihren erlernten Berufen weiter vermittelt, sondern in anderen Kinder- Heimen oder ähnlichen Häusern, vom gleichen Orden, weitergereicht.Dort haben sie bis zu ihrem 21. Geburstag , (zu dieser Zeit erst Volljährig) gearbeitet, es gab ein kleines Taschengeld, der Lohn wurde eingehalten. Für grössere Anschaffungen musste ein „Antrag“ gestellt werden, der Rest kam auf ein Sparbuch, was sie nie gesehen oder erhalten haben.Bei kleinsten Vergehen, z.B. am freien Tag , zu spät nach Haus kommen oder mit 19 Jahren einen Freund zu haben, der vor der Haustür wartete,wurden diese Mädchen als „Rückkehrer“ wieder ins Vincenzheim gebracht. Das sogenannte Putzkleid tragen (jeder konnte sehen „die hat was angestellt) und für 3 Tage in die Klabause (Gefängnis) bei Wasser und trocken Brot,1x am Tag. Ein Eimer für die Notdurft.
Zielsetzung heute:
Regelung der Arbeitsbescheinigungen, für einen Nachtrag in der
Rentenversicherung, wie in Freistatt, (Diakonie)
Tägliche Beschimpfungen:„Ihr oder Du seid nichts wert und für die Gesellschaft nicht tragbar! Du taugst nichts, so wie Deine Mutter, und wenn Du so weiter machst,landest Du wieder in der Gosse!“„Umsonst seid ihr nicht hier, seid froh das wir euch zu richtigen Menschen erziehen!“ Mädchen haben versucht sich vor Verzweiflung an Bett -tüchern vom Fenster herunter zu lassen, dabei haben sie sich schwer verletzt. Mädchen haben Selbstmord begangen. Darüber gibt es keine Aussagen.In Demutshaltung schweigend in zweier Reihen durch die Gänge des Hauses,auf dem Weg zur Kapelle.Die Türen verschlossen, hinter dicken Mauern eingesperrt, keine Spaziergänge, keine Kultur,diese Mädchen suchten Wärme und Geborgenheit, Verständnis für ihr junges Leben, sie wollten ihre Träume leben, Musik hören, Petticoats tragen, mal tanzen gehen, das war ihr Vergehen die Träume wurden zerstört, für ein Leben lang.
Zielsetzungen:
Eine offizielle Entschuldigung, vom Orden, für das ergangene Leid und
Erniedrigungen denen wir täglich zwangsweise ausgesetzt waren, das nicht vergessen werden kann.
Diese Entschuldigung öffentlich zu machen.(Beispiel: die Diakonie und der
Landschaftsverband Hessen)
Die Betroffenen leiden unter diesen Beschimpfungen ein Leben lang, sie
können das nicht vergessen.
Wir fordern eine Gedenk- Tafel oder Stolpersteine am Vincenzheim, denen zu
gedenken die bei einem Fluchtversuch oder vor Verzweiflung (Selbstmord) den Tod
gefunden haben. Es wurde nicht erkannt.
Ausserdem eine Dauerausstellung im Vincenzheim über diese Zeit, 1945-1975.
Eine Dokumentation über die Heime der Vincentinerinnen.
Medikamenten-Vergabe:Die Mädchen nahmen schon nach einem kurzen Aufenthalt im Vincenzheim an Körperfülle stark zu, aufgeschwemmt und unansehnlich dick. Bei einigen setzte die monatliche Regel für eine lange Zeit aus.Es wurde von uns vermutet, das man uns etwas ins Essen oder den morgendlichen Kaffee getan hat.
Zielsetzungen:
Wir möchten wissen, wer hat das angeordnet Wer hat das verordnet ? Was wusste der Orden davon ? Was waren das für
Medikamente ?
Woher kamen diese Medikamente ? , Gesundheitsamt ?welcher Arzt war dafür
zuständig?
Zwangs - Missionierung:Tägliche Kirchgänge, monatliche Zwangsbeichte,(der Beichtvater machte zeitweise im Beichtstuhl obszöne anzügliche Bemerkungen)zwangsweise „Besinnungstage“, Morgen - Mittags- Abends - vor jeden Essen Zwangsbeten. Kein Recht nein zu sagen,“ das war die Hausordnung“!!
Bildungsentzug Akten über die Betroffenen Es wurden Akten angelegt, darin wurde alles von den Heimkindern notiert. Schulische Ausbildung, Familienberichte,(z.B. Allein erziehende Mutter) Berichte der Jugendämter, Führung im Heim Querulant oder Simulant, daraus konnten diese Erzieher „ersehen“ was mit diesem Zögling los war.
Zielsetzungen
Wir fordern, bei Bedarf, vom Orden die Mithilfe, bei der Suche nach
persönlichen Akten der ehemaligen Heimbewohnern. Da eventuell wichtige Briefe ,die nie ausgehändigt wurden enthalten sind ,
und zur Aufklärung in Familien - Angelegenheiten führen könnten.
Keine Rechte. Mütter sahen ihre neugeborenen Babys nicht, die Neugeborenen wurden von der Mutter entfernt. Die Brust der stillenden Mütter wurde hoch gebunden,bei dieser Prozedur entstehen der stillenden Mutter höllische Schmerzen.Eine Bindung zu ihrem Kind war nicht möglich,wurde unterbunden, damit sie die Arbeit im Haus wieder aufnehmen konnten.Sonntags eine Stunde zum Kind, bei „schlechten Benehmen“ der Mutter wurde diese eine Stunde Glück gestrichen. Das Briefgeheimnis wurde verletzt, Kontrolle bei eingehenden Briefen,(oft wurden Briefe nicht ausgehändigt) Kontrolle bei ausgehender Post.Heimliche Briefe wurden geschrieben und heraus geschmuggelt, bei Entdeckung hohe Strafen. Persönlichkeitsrechte wurden auch hier schwer verletzt.
Zielsetzungen
Wir fordern, eine Aufarbeitung dieser Zeit z.B. einen Forschungsauftrag zu
vergeben, Diplomarbeiten zu unterstützen.
Ehemaligen Heimkindern den Zutritt ins Vincenzheim zu gewähren, um an die
Orte ihrer Erinnerung zu versuchen sich ihrer Seelenqualen zu entledigen,
damit sie so vielleicht, ihren Frieden finden können.
Das diese Orte mit den Betroffenen gefilmt werden können.
Professionelle Hilfestellung und Beratung für traumatisierte ehemaliger
Heimkinder aus dieser Zeit.
Einen Hinweis dafür auf die Webseite der Vincentinerinnen,
in der auch von dieser Vergangenheit (1945-1975) ein Beitrag mit Fotos
erscheint, mit dem Hinweis, dass von Betroffenen und den Schwestern des Ordens
gemeinsam eine Aufarbeitung angestrebt wird.
Was viele ehemalige Heimkinder stark bewegt ist die Frage,wie konnte das alles unter dem Mantel der christlichen Nächstenliebe passieren.Viele Betroffene wissen bis heute nicht wieso sie in eine dieser Erziehungsanstalten eingewiesen wurden. Ein Leben lang Angst und Scham zu haben, entdeckt zu werden,in der Erziehungsanstalt gewesen zu.Ein Leben lang das eigene Wertgefühl in der Gesellschaft nicht zu spüren.In der Ehe oder Partnerschaft die Sexualität als Schmutz zu empfinden.Die Beschimpfungen ein Leben lang mit sich herum zu tragen.Das alles hat hier statt gefunden in den Erziehungsanstalten Vincenzheim Dortmund und in anderen Häusern des Ordens.Die Verantwortung lastet heute noch über den Orden vom Hl. Vincenz
Bis zum heutigen Tage haben sich die Vincentinerinnen zu keimen Punkt geäussert,sich entschuldigt oder einem ehemaligen Heimkind zur Seite gestanden.
"Wir hatten einen Erziehungsauftrag"
sagte die ehemalige Oberin vom Vincenzheim bei einem Treffen mit dem ZDF vor der Kamera. Kein Wort über ihre Taten der Unmenschlichkeit an ihren Zöglingen kam über ihre Lippen.
Einige Schwestern,die mit dieser Erziehung nie etwas zutun hatten weinten als sie von unseren Berichten hörten.
Unsere Tränen trocknen nie.
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